• GROSSE GEMEINSCHAFTEN
  • ORGANISIERTES LEBEN
  • KLUGHEIT UND ANPASSUNG
  • ANFORDERUNGEN AN DIE STANDORTE
  • EPIDEMIEN UND KRANKENPFLEGE
  • PLANUNG UND ANLAGE
  • WASSER
  • ACKERBAU UND VIEHZUCHT
  • DAS MATE-KRAUT
  • SCHULE DES LEBENS
  • DIE UNTERKÜNFTE
  • LERNEN UND ARBEITEN
  • KUNST UND HANDWERK
  • GROSSE GEMEINSCHAFTEN

    Zu ihrer Blütezeit im 18. Jahrhundert zählten die Jesuitenmissionen insgesamt rund 140’000 Bewohner indigener Herkunft.

    Jede Mission wurde von zwei Jesuiten geführt. Diese waren mit der geistlichen und weltlichen Verwaltung der Mission betraut.

    Jede Siedlung wurde von einem Indio-Rat regiert, dem so genannten Cabildo. Ihm stand ein Corregidor als oberster Richter vor, daneben gab es zwei weitere Richter, die über die Einhaltung der Sitten wachten.

    Die Mitglieder eines solchen Rates wurden von der Führung eigens ausgebildet. Einige von ihnen konnten Guaraní, Spanisch und Latein lesen und auch schreiben.

    Bild: Gruppenbild in der Ecke des Innenhofs der Pfarrei von San Rafael de Velasco (Santa Cruz), vermutlich nach der Sonntagsmesse. Besonders die Frauen und Kinder sind sonntäglich gekleidet, einige der Frauen mit einer Medaille an einem roten Band um den Hals und mit einem Dokument (oder dem kirchlichen Sonntagsblatt?) in der Hand. (Sammlung Felix Plattner, 1973)

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  • ORGANISIERTES LEBEN

    Für Müssiggang war keine Zeit: Das Leben in den Reduktionen in einer straffen Tagesstruktur durchorganisiert. Arbeit wurde als Verehrung Gottes verstanden, als sozialer Wert und Dienst an der Gruppe, was das Gemeinschaftsgefühl stärkte.

    Streng überwachten die Jesuitenpater die Erledigung der alltäglichen Aufgaben in den Siedlungen. Sie kontrollierten den regelmässigen Gottesdienstbesuch und auch, ob die Arbeiten auf den umliegenden Landgütern, Feldern und Höfen ordnungsgemäß ausgeführt wurden.

    Bild: Während der Bauarbeiten 1973 in San Rafael de Velasco (Santa Cruz). Die Arbeiter sind Taglöhner. Der Lohn wird jeweils am Samstag von Pater Gottfried Trenker persönlich ausgezahlt. (Sammlung Felix Plattner)

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  • KLUGHEIT UND ANPASSUNG

    Ignatius von Loyola ermahnt die jesuitischen Missionare zu „heiliger Klugheit und Anpassung an alle Dinge“.

    Die Anpassung fußt auf zwei Haltungen: dem aufmerksamen Zuhören und Inkulturation. Das bedeutet, die Sprache des zu evangelisierenden Volkes kennen und sprechen lernen sowie die kulturellen Werte, die Traditionen und Gewohnheiten zu schätzen und zu akzeptieren.

    Die Caciques etwa, die traditionellen Autoritätspersonen der Ureinwohner, wurden von den Patres von Beginn an akzeptiert.

    Ignatius von Loyola. Darstellung von 1859

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  • ANFORDERUNGEN AN DIE STANDORTE

    „Ihr müsst den Ort für die Gründung einer Reduktion sorgfältig auswählen, denn er soll genügend Platz für viele Indianer bieten, er soll über guten Boden und gutes Wasser verfügen, um eine fruchtbare Landwirtschaft aufbauen zu können, auch Fischfang und Jagd sollen möglich sein. Deshalb müsst ihr vorher gewissenhaft Informationen von den Indianern einholen, vor allem von ihren Kaziken.“ (Diego de Torres, erster Provinzial in Paraguay)
    Bild: Albert Lunte filmt die Landschaft, aufgenommen 1957 während der "Panamericana"-Reise von Felix Plattner SJ.

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  • EPIDEMIEN UND KRANKENPFLEGE

    Neue Krankheiten wurden zur existenziellen Bedrohung für die indigenen Völker.

    Die Ureinwohner kannten nur wenige Krankheiten. Durch die Spanier waren sie bislang unbekannten Erregern ausgesetzt, darunter der Pest und den Pocken.

    Nach der grossen Pestepidemie in den Jahren 1641 bis 1643 eröffneten die Jesuiten die ersten Krankenpflege-Schulen in Paracuaria.

    Bild: Halbverweste Opfer der Rinderpest (Sammlung Felix Plattner. 1957)

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  • PLANUNG UND ANLAGE

    In allen Reduktionen folgte die Einteilung nach einem bestimmten Schema: Beherrschend war ein grosser Platz mit einem großen Kreuz in der Mitte sowie einer Statue der Jungfrau Marie oder des Schutzheiligen des Ortes. Zentrales Bauwerk war die Kirche. Die Hütten für die Einwohner waren nach spanischem Vorbild rechtwinklig um den Platz angelegt.

    Neben der Kirche gab es zwei Gebäudekomplexe mit großen Innenhöfen. Hier befanden sich die Zimmer der Patres, die Schule für die Kinder sowie die Werkstätten, in denen die Guaraní verschiedenen Berufe erlernten und ausübten. Manchmal waren dort auch der Schlachthof und die Metzgerei. Stallungen gab es keine.

    In der Nähe der Kirche befanden sich auch Friedhof und „Coty Guazú“, ein Zufluchtsort für Witwen und Waisen.

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  • WASSER

    In den Plänen der ersten Reduktionen war ein Abwassersystem vorgesehen. Es wurden Zisternen und Brunnen zur Bewässerung der Felder gebaut, sowie Wassertanks zur Versorgung der Bevökerung. An den Rändern der Dörfer gab es öffentliche Toiletten, getrennt für Männer und Frauen. Ein System von Galeriegängen mit Holz- oder Steindächern schützte vor Sonne und Regen.

    Hinter der Kirche befand sich meist ein großer Garten. Auch hier half ein System künstlicher Bewässerung. Dort kultivierte man Orangen, Gemüse und Blumen, die aus der Alten Welt eingeführt wurden.

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  • ACKERBAU UND VIEHZUCHT

    Von Beginn an waren die Reduktionen wirtschaftlich unabhängige Einheiten, deren Außenhandel auf einer Tauschwirtschaft basierte. Auf ihren eigenen Grundstücken bauten die Ureinwohner Produkte zur Selbstversorgung an. Die Ernste des „Gottesgrundstücks“ war für das Gemeinwohl bestimmt, Die Indios bauten Mais, Gerste, Weizen, Reis, Baumwolle, Zucker, Wein und Tabak an. Auf großen Flächen wurde Viehzucht betrieben.

    Bild: Goucho mit Rinderherde (Sammlung Felix Plattner SJ, 1957)

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  • DAS MATE-KRAUT

    Die Blätter des wildwachsenden Matebaumes hatten die Guaraní seit jeher als belebendes Genuss- und Arzneimittel benutzt.

    Um der Urbevölkerung eine Alternative zum Alkohol zu bieten, kultivierten die Jesuiten Mate-Pflanzen (Ilex paraguariensis) und bauten sie systematisch an. Er wurde zu einem wichtigen Handelsgut.

    Die Blätter wurden getrocknet, geschnitten, mitunter geröstet und gemahlen. Aus dem Granulat wird ein Aufguss hergestellt. Das traditionelle Trinkgefäss ist das Endteil eines ausgehöhlten Flaschenkürbis.

    Bild: Draht-Trommel zur Röstung von Mate-Blättern (Sammlung Felix Plattner, 1957)

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  • SCHULE DES LEBENS

    Die Jesuiten respektierten die traditionelle Religion der Indios. Zugleich versuchten sie über den Katechismus, die Gründe ihres Glaubens zu vermitteln, als Leitlinie für ihr Denken und Handeln. Der Katechismus wurde den Kindern täglich gelehrt, zwei Mal wöchentlich den Erwachsenen und drei Mal in der Woche den Alten. Es bestand keine Pflicht, täglich die Messe zu besuchen.

    Das Mindestalter, um zu heiraten, lag bei Frauen bei 15 Jahre – Männer mussten mindesten 17 Jahre alt sein. Für alle war die Erlaubnis der Eltern notwendig. Neben der religiösen Zeremonie wurde ein öffentliches Fest ausgerichtet, um den Aspekt der Vereinigung in der Ehe zu unterstreichen.

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  • DIE UNTERKÜNFTE

    Die Häuser der Indios sahen alle gleich aus und wurden in Sechser- oder Achtergruppen errichtet. Aus Steinen und Ziegeln gebaut, mit Grasdächern gedeckt, waren sie komfortabel und sauber. Sie enthielten Bögen und Verandas und wurden mit Blumenmotiven verziert.

    Bild: Christian Ender

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  • LERNEN UND ARBEITEN

    Bis zur Ankunft der Jesuiten hatten die Indio-Kinder keinen Schulunterricht mit Ausnahme einer Unterweisung in der Benutzung von Pfeil und Bogen.

    Während andernorts Schulbildung ein Provileg für Wenige war, führten die Jesuiten eine Schulpflicht für alle Kinder ein. Sie lehrten lesen, schreiben, singen, gaben Instrumentalunterricht und vermittelten die katholische Lehre. Mädchen und Jungen besuchten getrennte Klassen.

    Nach der Grundschule für die 5- bis 12-Jährigen wechselten die Kindern in Ausbildungsschulen, wo sie verschiedene Berufe lernen konnten, oder auf künstlerische Schulen für Malerei, Musik und Bilhauerei. Dort wurden sie von Jesuiten und ausgebildeten Indios unterrichtet.

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  • KUNST UND HANDWERK

    Alle Dorfmitglieder zwischen 13 und 50 Jahren mussten einen Beruf ausüben. Die Entscheidung dazu sollte frei nach individuellen Fähigkeiten und Wünschen geschehen. Einmal festgelegt, durfte man sich jedoch nicht einfach umorientieren.

    In allen Reduktionen gründeten die Jesuiten Werkstätten für Holz-, Keramik- und Schmiedearbeiten, für Bildhauerei und Malerei, für den Bau von Musikinstrumenten, für die Herstellung von Stoffen, Kleidung und Alltagsgegenständen. Die Geschicklichkeit, mit der die Guaraní-Indianer die verschiedenen Kunsthandwerke ausübten, löste Bewunderung aus:

    „Sie machen Taschenuhren, drucken kleine Hefte, zeichnen Landkarten und sind geschickt in allen Handarbeiten, vorausgesetzt, sie haben das Original oder ein Modell vor Augen.“ (P. Labbé, 1771)

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