• EINE NEUE WELT
  • FRIEDLICHE ÜBERZEUGUNG
  • CORNELIS DE PAUW
  • KONTROVERSE REAKTIONEN
  • UNTERNEHMERISCHE AKTIVITÄTEN
  • MISSIONARISCHE KLUGHEIT
  • MISSIONARISCHE GRUNDAUSSTATUNG
  • ENDE DER REDUKTIONEN
  • LEBENDIGES ERBE
  • EINE NEUE WELT

    Als die Europäer den amerikanischen Kontinent entdeckten, veränderte das den Blick auf die Welt.

    Durch ihre Reisen über den Atlantik, Eroberungen und Entdeckungen wurden Spanier und Portugiesen mit einer neuen, andere Wirklichkeit konfrontiert. Und in ihrem territorialen Expansionsstreben zu Weltmächten.

    Auch die noch jungen Jesuiten erkannten die Gunst der Stunde. Ihre Leidenschaft zur Mission war entfacht: erkunden, evangelisieren, die Grenzen der Christenheit erweitern, die universelle Botschaft der katholischen Kirche in den neuen Gebieten verbreiten.

    „Es soll über die Art und Weise nachgedacht werden, wie die Bewohner Brasiliens zum Glauben gebracht und darin bewahrt werden können. (…) Was das König Philipp gehörende [West-]Indien betrifft, ernsthaft überlegen, ob man durch das Gebiet von Paraguay oder auf einem andern Weg dorthin gelangen möchte, und ob man noch zuwarten soll oder ihn jetzt suchen soll.“ (aus einem Beratungsprotokoll, wahrscheinlich von der ersten Generalkongregation 1558/59)
    Christopher Kolumbus zugeschriebene Karte, ca 1490. Bibliothèque Nationale de France (CPL GE AA 562 RES)

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  • FRIEDLICHE ÜBERZEUGUNG

    Die ersten Jesuiten begannen ihre Arbeit nach der durch die Junta Magna von 1568 festgeschriebenen juristischen Legitimierung der spanischen Herrschaftsansprüche sowie nach der durch die Junta Magna von 1574 festgelegten Ordnung des Kirchenpatronates.

    Der für die Seelsorge der Jesuiten einflussreiche Missionstheoretiker José de Acosta SJ (1540 – 1600) setzte sich für einen, im Vergleich mit Bartolomé de Las Casas OP (1484 – 1566) und den Konquistadoren „mittleren Weg“ ein: Anerkennung der Kolonialstruktur und Plädoyer für eine Mission durch Überzeugen und durch friedliche Methoden.

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  • CORNELIS DE PAUW

    1768 provozierte der niederländische Kulturphilosoph Cornelis de Pauw (1739–1799) eine Kontroverse über den Wert der indigenen Kultur. Ohne je in Amerika gewesen zu sein, attestierte er eine Inferiorität der Kulturen und Geschichte Lateinamerikas.

    In seiner Schrift Recherches philosophiques sur les Américains, ou Mémoires intéressants pour servir à l’Histoire de l’Espèce Humaine, die noch im selben Jahr ins Deutsche übersetzt wurde (Philosophische Untersuchungen über die Amerikaner). Dort beschrieb er die Indianer als degeneriert, impotent, schwach, geistig beschränkt und daher den Europäern unterlegen.

    Die Kolonisation Amerikas lehnte er als unnatürlich und verwerflich ab. Aufgrund einer geringeren Lebenserwartung und einer geringeren Fruchtbarkeit stelle dieser Kontinent die Existenz der zivilisierten Menschheit in Frage, mit inflationstreibendem Gold und dem Suchtmittel Tabak habe er nur Nachteile eingebracht, und eine halbe Million Deutsche seien nutzlos in den dortigen Wäldern verschwunden.

    Theodor de Bry: Die Landung des Columbus 1492, Kupferstich aus dem Jahr 1594

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  • KONTROVERSE REAKTIONEN

    Trotz scharfen Widerspruchs blieb Cornelis de Pauw Sieger der Debatten. Auf Einladung Denis Diderots verfasste er einen Beitrag für das Supplément seiner Encyclopédie. Auf diesem Weg wurde de Pauws Amerikabild von berühmten Autoren wie Kant, Raynal oder William Robertson übernommen.

    Parallel dazu deuten sich in den Werken des mexianischen Schriftstellers Javier Clavijero, des chilenischen Priesters Juan Ignacio de Molina oder des spanischen Jesuitenpaters Juan de Velazco Ansätze eines kreolischen Bewusstseins an, das dann im 19. Jahrhundert für die Emanzipationsbestrebungen und die Befreiungskriege entscheidend werden sollte.

    Bild: Der Baum des Wissens, basierend auf Diderots Encyclopedie [Robert Benard: Essai d'une Distribution Genealogique des Sciences et des Arts Principaux, 1769-1780]

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  • UNTERNEHMERISCHE AKTIVITÄTEN

    Die verschiedenen Jesuitenmissionen vertrieben Produkte wie Mate-Tee und Leder in der gesamten Region. Zudem nahmen Einfluss auf die Politik der Kolonialregierung.

    Darüber hinaus wurden die Guaraní in regionalen Milizen eingesetzt und unterstützten die Obrigkeiten von Buenos Aires und Asunción bei wirtschaftlichen Aktivitäten und auch bei der militärischen Verteidigung des kolonialen Territoriums.

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  • MISSIONARISCHE KLUGHEIT

    „Fernhalten sollen sie sich von jenem Nationalismus, der uns alles, was das Vaterland und die eigene Nation betrifft, loben, alles Fremde aber und alle ausländischen Völker ablehnen und verachten lässt. Sie sollen darum die spanischen und portugiesischen Lebensgewohnheiten, Bräuche, Einrichtungen und Talente loben, oder, wenn sie das nicht können, wenigstens nicht tadeln, sondern dazu schweigen und sich in ihrem Reden, soweit es nur geht, ihnen anbequemen, sich diesen Völkern und besonders ihren Orden ergeben und gewogen zeigen und immer mit Ehrerbietung von ihnen reden.“
    (Franz Xaver Amrhyn, Documenta pro Candidatis ad Missiones Indicas)

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  • MISSIONARISCHE GRUNDAUSSTATUNG

    „Alphabet des indischen Kreuzes/ Verzicht auf Annehmlichkeiten./ Zusammenleben mit Barbaren./ Von allen misachtet./ Schmerzen. Spott./ Von den Unsrigen gefoppt./ Hunger.

    Kälte./ Gestank./ Unbequeme Wohngelegenheiten./ Beleidigungen. Reisen. Krankheiten./ Mühe mit Sprachen. Müdigkeit./ Andere Gewohnheiten. Martyrium./ Schiffreisen.

    Seekrankheit./ Langweilige Tätigkeiten./ Mangel am Nötigsten. Wasser statt Wein./ Ungezählte Risiken./ Neue Umgebung./ Durst.

    Schmutz.

    Einsamkeit./ Furcht. Anfechtungen. Stürme./ Schlaflosigkeit.“


    (Pro Missionariis Indiarum et Americae.)

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  • ENDE DER REDUKTIONEN

    Der Erfolg der Reduktionen, der Einfluss der Jesuiten und das unbedingte Eintreten für Würde, Rechte, Wohlstand und Bildung provozierte Widerspruch: In weiten Teilen der damaligen Gesellschaft herrschte die Überzeugung, die Ureinwohner hätten keine Seele, man dürfe sie deshalb wie Tiere behandeln.

    Da die Reduktionen relativ abgeschieden lagen und der Zugang zu ihnen für Nicht-Indigene restriktiv geregelt war, brodelten mitunter Gerüchte und Verleumdungen.

    Nachdem bereits 1759 Portugal und Brasilien die Ausweisung der Jesuiten angeordnet hatten, zog Spanien nach und erließ im Jahr 1767 ein Verbot des Ordens. Die Reduktionen in Paraguay wurden aufgelöst und alle Jesuiten aus den spanischen Kolonien vertrieben.

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  • LEBENDIGES ERBE

    Das Verschwinden der Reduktionen konnte die integrative Arbeit der Jesuiten bis heute nicht stoppen. 2008 beauftragte Papst Benedikt XVI. die Gesellschaft Jesu, das Evangelium an die Grenzen des Glaubens, der Kultur und der Zivilgesellschaft zu bringen.

    Zur gleichen Zeit bestätigte das oberste Leitungsgremium der Jesuiten die Verpflichtung gegenüber den indigenen Völkern, die auch heute in ihrem Überleben gefährdet sind.

    Papst Franziskus schreibt zum Jubiläum der Heiligsprechung von San Roque und seinen Märtyrern:

    „Mit der Hilfe der heiligen Mutter Gottes, der Jungfrau Maria, haben diese mutigen Priester der Gesellschaft Jesu den indigenen Völkern fortwährend die ewige Rettung in Christus verkündet. Sie taten unzählige gute Werke, wo auch immer sie aktiv wurden. So haben sie die uns vertrauten Reduktionen begründet. Zuletzt bestätigten sie ihr Glaubenszeugnis durch das Vergießen ihres eigenen Blutes und empfingen so vom Herrn die Ehrenkrone im Himmel (2. Tim 4,8).“

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