• MARTIN SCHMID SJ
  • ALS MISSIONAR ZU DEN CHIQUITOS
  • MUSIKANTEN MACHEN
  • MISSIONAR UND MUSIKER IN SAN JAVIER
  • URWALD-BAUMEISTER IN SAN RAFAEL
  • KOMPOSITIONEN
  • AUSWEISUNG UND ABSCHIED
  • MARTIN SCHMID SJ

    Martin Schmid, auch Esmid (1694–1772) war ein Schweizer Jesuit, Missionar, Musiker und Baumeister. Seine Hauptwirkung lag in der Provinz Chiquitos im heutigen Bolivien.

    Wegen seiner Sanftmut und inneren Ruhe stand er bei den Einheimischen wie auch bei den Ordensmitgliedern im Ruf, ein Heiliger zu sein.

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  • ALS MISSIONAR ZU DEN CHIQUITOS

    Nachdem Martin Schmid 1726 in Eichstätt zum Priester geweiht worden war, erhielt er die Erlaubnis, als Missionar nach Lateinamerika zu reisen. Die Reise verzögerte sich jedoch. Wegen des Englisch-Spanischen Krieges musste er in Sevilla einen längeren Aufenthalt einlegen. Die Zeit nutzte er, um seine Spanischkenntnisse zu vertiefen. Zugleich half er mit, die Geschichte des Volksstammes der Chiquitos von Juan Patricio Fernandéz ins Deutsche zu übersetzen.

    „Meine reiss aber gehet dahin, wohin alle missionarii zu gehen höchstens verlanget haben, aber nit mehr alß 4 das glück erhalten haben (…). Wir werden nemblich geschicket in die missiones de los Chiquitos, oder der Schikiter. Es seind disse missiones noch nit alt, und ist etlich und 30 iahr, das die erste völckerschafft ist bekehret und aufgerichtet worden“

    Ende 1728 begann die Reise nach Südamerika. Die Überfahrt über Teneriffa nach Buenos Aires dauerte mehr als drei Monate.

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  • MUSIKANTEN MACHEN

    Acht weitere Monate benötigen die Missionare, um im Landesinneren bis nach Potosí/Bolivien zu gelangen. Hier wurde Schmid zusammen mit drei anderen Jesuiten ausgewählt, die Chiquitos zu missionieren. Er schreibt diese Auswahl seinen musikalischen Kenntnissen zu.

    „Das ich aber das glück gehabt in disse missiones geschicket zu werden, hatt nit wenig darzu geholffen, weillen ich die music versthe, und erkenne erst ietz, warumb die göttliche vorsichtigkeit geordnet, das ich in meiner jugend die music lehrnete, damit ich nemblich aus dissen Indianeren nit nur fromme und eyfferige christen, sondern auch musicanten machen solte, als welche bishero noch keine music nach der kunst oder auf die noten gesehen oder gehöret haben.“

    Im August 1730, vier Jahre nach seiner Priesterweihe, erreichte Martin Schmid endlich das Missionsgebiet der Chiquitos.

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  • MISSIONAR UND MUSIKER IN SAN JAVIER

    „Ich bin Missionar, weil ich singe, spiele und tanze“

    Die ersten zehn Jahre 1730–40 verbrachte Schmid in San Javier. Neben seiner Tätigkeit als Seelsorger begann er eine Musikschule aufzubauen. Er lehrte die indigene Bevölkerung, europäische Musikinstrumente nachzubauen. Daneben half er, verschiedene Werkstätten aufzubauen und führte mehrere Handwerke ein.

    Erst 1744 schreibt Schmid, bereits in San Rafael, einen ersten Brief in die Heimat:

    "Die Obern haben mir befohlen, die Musik in diese Missionen einzuführen. Alle Dörfer haben jetzt ihre Orgel, viele Geigen und Bassgeigen aus Zedernholz, Clavicordia, Spinette, Harfen, Trompeten, Schalmeien. Diese Indianerknaben sind ausgemachte Musikanten; sie statten alle Tage in den heiligen Messen mit ihrem Singen und Musizieren dem Herrgott das schuldige Dankeslob ab. Ich darf behaupten, dass sie mit ihrer Musik in jeder Stadt und Kirche zu eurer großen Verwunderung erscheinen könnten."

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  • URWALD-BAUMEISTER IN SAN RAFAEL

    In San Rafael errichtet Martin Schmid die erste seiner sogenannten „Urwaldkirchen“.

    1749 kehrte er nach San Javier zurück, um auch hier eine gleichartige Kirche zu bauen. 1752 nahm er den Bau der Kirche in Concepción, Bolivien in Angriff.

    Unter seiner Leitung wurden weitere bauliche Massnahmen in den anderen Missionsdörfern der Chiquitanía durchgeführt. So entstanden in San Miguel und San Ignacio de Velasco die holzgeschnitzten Barockaltäre.

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  • KOMPOSITIONEN

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  • AUSWEISUNG UND ABSCHIED

    Als ihn 1767 die Ausweisungsorder erreicht, hofft der 73-jährige Schmid, aus Altersgründen bleiben zu können. 1768 musste er dennoch die beschwerliche Rückreise antreten.

    „Das Herz läuft mit vor Schmerz über, wenn ich denke, wie ich von meinen geliebten, armen, verlassenen Indianern habe Abschied nehmen müssen. Ich bin auf mein Maultier gesessen, um fortzureisen; aber es war unmöglich, einen Schritt zu machen. Alle haben mich umringt und das Tier nicht gehen lassen. Es ist nicht zu beschreiben, wie viele Tränen sie vergossen haben, wie gross das Weinen und Klagen, wie durchdringend ihr Seufzen, Heulen und Schreien war, Zoiya, azica, anná –Vater, bleibt hier, geht nicht von uns, verlasst uns nicht.“

    Auf Mauleseln überquerte er zusammen mit anderen Vertriebenen die Anden bis nach Arica/Chile, von wo aus er mit dem Schiff über Lima nach Panama gelangte. Über Cartagena (Kolumbien) und Havanna erreichte Schmid 1769 Cádiz/Spanien.

    Nach einer 15-monatigen Internierung in El Puerto de Santa María durfte Schmid Spanien verlassen. Mitte November 1770 traf er in Augsburg ein. Im Frühjahr 1771 kehrte Schmid in seine Heimat zurück. Noch gut ein Jahr verbrachte er im Jesuitenkolleg von Luzern. Er verstarb am 10. März 1772 und wurde in der Jesuitenkirche von Luzern beerdigt.

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