• P. ANTON SEPP SJ
  • WANDERJAHRE
  • TRAUMBERUF: MISSIONAR
  • MITEINANDER MUSIZIEREN
  • KULTURKONFLIKTE
  • DIE PEST
  • PIONIER UND LEHRER
  • DER PARAQUARISCHE BLUMENGARTEN
  • P. ANTON SEPP SJ

    Anton Clemens Sepp von Seppenburg (geboren 1655 in Kaltern, gestorben 1733 in San José (Misiones), Argentinien) war einer der bekanntesten Jesuitenmissionare in der Jesuitenprovinz Paraguay.

    Mehr als 40 Jahre lang wirkte er an unterschiedlichen Orten. Er unterrichtete Guaraní-Indianer in barocker Kirchenmusik. Von ihm stammen auch die ersten deutschen Berichte aus den jesuitischen Missionen in Paraguay.

    Bild: Blick auf Kaltern vom Mendelpass.
    Via Wikicommons von H. Helmlechner unter CC-BY-SA 4.0,

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  • WANDERJAHRE

    Schon früh begenete er den Jesuiten, und die Musik wurde Teil seines Lebens. Im Alter von etwa zehn Jahren wurde Anton Sepp Hofsängerknabe in Wien und besuchte von 1667 an sieben Jahre lang das Jesuitengymnasium in Innsbruck.

    In Landsberg am Lech trat er in den Jesuitenorden ein und legte dort nach zwei Jahren 1676 die Gelübde ab. Es folgten Stationen in Süddeutschland und der Schweiz. In Ingolstadt studierte er Philosophie, unterrichtete anschliessend in Landsberg, Solothurn und Luzern. Zurück in Ingolstadt absolvierte er das vierjährige Theologiestudium. In Augsburg wurde er 1687 schliesslich zum Priester geweiht und leistete in Altötting sein drittes Probejahr.

    Das in Altötting verehrte Gnadenbild wurde für Anton Sepp ein wichtiges Mittel der Verkündigung in Südamerika.

    Bild:Madonna der Loreto-Kapelle, im Hintergrund Rest eines Frescos. | Die Kirche der jesuitischen Guaranímission Santa Rosa war eine der prächtigsten Missionskirchen. Sie brannte im Jahr 1883 ab, was nur wenige, zum Teil sehr ganz hervorragende Kunstwerke überlebt haben. Plattner: „Madonna ... nach spanischer Art, 110 cm, Holz, bemalt. Die Statue befindet sich jetzt in der Loreto-Kapelle neben der ehemaligen Kirche, von der nur noch Teile des Turms bestehen. Die Kapelle soll die masse des Hauses von Loreto besitzen. Die Mauern waren innen mit farbigen Fresken ausgemalt, die leider in den letzten Jahren von durchsickerndem Regenwasser fast völlig zerstört wurden. (...).“ (Plattner 1960, S. 152). - Marienfigur mit dem segnenden Chriskind, das in der Linken eine Kugel mit Kreuz hält. Figur von hoher Qualität, mit Glasaugen und geschnitzten Spitzen und gemalten Stickereien am Kleid. Im Hintergrund die weitgehend zerstörten Wandmalereien, siehe Bild {010-0127}. Unten ein kleines Kruzifix.,

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  • TRAUMBERUF: MISSIONAR

    Der Wunsch, als Missionar in „Indien“ zu wirken, war bereits früh ausgeprägt.

    Von Genua aus schiffte sich Sepp 1689 nach Cádiz (Spanien) ein. Die 16 Monate unfreiwilligen Aufenthalts in Spanien nutzte er in Sevilla, um die kastilische Sprache zu lernen. Erst mit der nächsten Flotte im Januar 1691 konnte er nach Südamerika übersetzen.

    Bild: Die Kathedrale von Cádiz. Sedessapientiae unter GFDL

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  • MITEINANDER MUSIZIEREN

    Drei Jahre lang unterstützte P. Anton Sepp den Pfarrer der Reduktion Yapeyú (heute in Argentinien an der Grenze zu Brasilien).

    In dieser Zeit lernte Sepp auch die Sprache der Guaraní und lehrte die einheimische Bevölkerung das Musizieren mit europäischen Instrumenten.

    Anton Sepp war musikalisch sehr interessiert und wohl auch begabt. Ausser Theorbe – einer Lauten-Form – spielte er noch weitere Instrumente. Schon als Student hatte er Theaterstücke verfasst, die sich bei Schulaufführungen einer gewissen Beliebtheit erfreuten.

    Bild: Laute (Detail in Hans Holbein d.J.: Die Gesandten)

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  • KULTURKONFLIKTE

    Anton Sepps Informationen über die indigene Kultur vermitteln seinen Lesern das Bild vom hilflosen und kindlichen Indianer. Eine entsprechend paternalistische Perspektive durchzieht alle seine Schilderungen.

    Anton Sepp zeigte sich verblüfft, dass die Menschen in der Reduktion bis zur Perfektion imitieren konnten, was man ihnen vormachte. Allerdings schloss er auch auf einen „kurtzen“ Verstand und war der Meinung, dass sie planlos dahinlebten.

    Bild: Arbeiter setzen eine verschlammte Straße instand. (Sammlung Plattner, 1957)

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  • DIE PEST

    1694 bis 1696 wirkte P. Anton Sepp in Santa Maria de Fe. Dort wurde er Zeuge, wie die Pest ausbrach und rund ein Achtel der Bevölkerung dahinraffte.

    Er betreute dort und auch in San Ignacio Guazú die Pestkranken, die er täglich besuchte. Daraufhin war er selbst so geschwächt, dass er nach einem kurzen Aufenthalt in San Carlos Erholungsurlaub in San Javier benötigte.

    Sepps Berichte liefern viele Informationen über die praktizierte Krankenpflege in den Reduktionen. Gleichzeitig berichten sie von seinem Vermögen, sich durch das Vollbringen von „Wundern“ – sei es als „Regenmacher“, als „Schützer der Ernte“ und als „Heiler“ – Achtung und Bewunderung bei den Indianern zu verschaffen. Hier profitierte err gewiss von seinem musikalischen und schauspielerischen Talent.

    Bild: Augsburger Pesttafel. Anfang 17. Jahrhundert. Tafeln dieser Art wurden an den Hauswänden zur Warnung vor der Pest angebracht. Deutsches Historisches Museum, via Wikicommons

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  • PIONIER UND LEHRER

    Sein nächster Dienstort war ab 1697 San Miguel (in der Nähe von Santo Ângelo, heute Brasilien), wo er mit einem Teil der Bevölkerung ein neues Dorf gründete (San Juan Bautista). Er selbst leitete die Rodungs- und Aufbauarbeiten. Da es keine europäischen Handwerker und Landwirte gab, brachte er den Eingeborenen verschiedene Handwerkskünste bei.

    Er entdeckte Eisenerzvorkommen und ließ Hochöfen bauen. Neben verschiedenen eisernen und stählernen Gebrauchsgegenständen wurden auch Waffen hergestellt. Die Bewaffnung war nötig, um Einfälle von Sklavenjägern abzuwehren.

    Im 20. Jahrhundert wurde ihm in Santo Angelo ein Denkmal als Pionier der Eisen- und Stahlindustrie gesetzt. Seine Leistung in dieser Hinsicht war freilich nur von regionaler Bedeutung.

    Bild: Zurichten eines Balkens mit dem Beil in San Rafael de Velasco (Santa Cruz). In Ermangelung eines leistungskräftigen Sägewerks für das sehr harte Holz mussten bei den Restaurierungsarbeiten die Balken wie zur Bauzeit der Kirche von Hand aus Baumstämmen gefertigt werden, so dass aus jedem Baum nur ein Balken und eine Menge Holzschnitzel, aber keine Bretter resultieren. Werkplatz auf der Rückseite der Kirche. (Sammlung Felix Plattner, 1973)

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  • DER PARAQUARISCHE BLUMENGARTEN

    Zu Anton Sepps Berichten gehört der Paraquarische Blumengarten. Ausgehend von den Überfällen portugiesischer Sklavenjäger auf die Missionsdörfer der Anfangszeit, berichtet der Text von der spektakulären, historisch belegten Flucht der Guaraní in Begleitung von Jesuiten über Flüsse und Wasserfälle hinweg. Die Geschichten von fehlbarem und vorbildhaftem Verhalten, von wundersamer Errettung und transzendenter Erfahrung aus Paraquaria vergleicht der Autor mit Blumen, die beim Rundgang durch den Garten zu geistlichem Nutzen und eigener Anschauung zu pflücken sind.

    „Wenn die Söhne der Finsternis unter so grossen Lebensgefahren zu Wasser und zu Land bis zum letzten Winkel der Welt eilen, um die rotgelbe Schlacke der Erde nach Hause zu bringen, dann ist es richtig, dass die Söhne des Lichts nach dem Lohn, der den Verkündern des Evangeliums winkt, wie nach kostbaren Perlen streben und dass sie nach dem Beispiel der Jünger des Herrn, wie unser hochwürdiger Pater Johannes Paulus Oliva sagt, die Stücklein sammeln, damit sie nicht zugrunde gehen. Auch ich wollte die Stücklein sammeln und Euch, damit sie hier nicht zugrunde gehen, als glänzende indianische Steinchen übersenden. So sollen die in diesem letzten Erdenwinkel ausgestandenen Mühen auch Euch leuchten, die Ihr im Hause Gottes seid, und Ihr sollt Euren Vater im Himmel preisen.“

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  • "WAHRER APOSTEL"

    Um 1730 war P. Anton Sepp Superior der Jesuitenprovinz Paraguay. In diesem Jahr, er war schon 75 Jahre alt, wurde er nach San José (heute Argentinien) versetzt, wo er auch verstarb.

    Für den bedeutenden Jesuitenmissionar und Ethnologen Martin Dobrizhoffer war Anton Sepp

    "ein altväterischer, aber rechtschaffener, und in der Musik treflich bewanderter Mann, der sich besonders um die Quaranier verdient gemacht hat".

    Für den Missionar selbst war die Hinführung zum katholischen Glauben das Wichtigste. Er galt als „deren Paraquarier wahrer Apostel“.

    "Er hat durch seine angenehme Lebens- und eindringende Redens-Art diese wilde Indianer ganz zahm, und zur Vollkommenheit unseres Christentums fähig gemacht." (Sepps Mitarbeiter in der Reduktion Santa Maria de Fe, Franziskus Magg)
    Bild: Die Kirche von Santa Maria de Fe zwischen Baumwipfeln

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